Investieren in Ripple (XRP) — lohnt es sich jetzt?

Mo 22 Nov 2021 ▪ 17h17 ▪ 11 Minuten Lesezeit - von Katharina Haas

Das Ende 2020 kann für den XRP-Token, wie auch für das gesamte Ripple-Unternehmen kaum als erfolgreich bezeichnet werden: Das Gerichtsverfahren zwischen der SEC (eng. US Securities and Exchange Commission) und Ripple tötete sowohl dem Unternehmen als auch den XRP-Inhabern viele Nerven. Der XRP-Preis fiel im Dezember 2020 auf 0,2 US-Dollar, aber als die SEC-Situation sich Ende Mai 2021 entwickelte, stieg der Token auf 0,9 US-Dollar (und im April zeigte der Preis schon einen Wert von 1,8 US-Dollar). Nun wird der Token bei 0,86 USD gehandelt und gehört zu den TOP-10-Kryptowährungen (Stand Juni 2021). Sollte Ripple weiterhin erfolgreich im Gerichtskampf gegen SEC standhalten, dann hat der Token alle Chancen, auf 2 und sogar (in Zukunft) auf 3 US-Dollar zu wachsen.

In diesem Artikel versuchen wir herauszufinden, woher die Ansprüche seitens SEC auf das Projekt kommen und ob es sich lohnt, Investitionen in XRP als erfolgversprechend in Betracht zu ziehen.

Geschichte von Ripple

Die Geschichte von Ripple reicht zurück bis in das Jahr 2004, als der Systementwickler Ryan Fugger die Arbeit auf eine Zahlungssystem anfing. Die erste Version erschien bereits 2005 und das Unternehmen lief gut. Dann schloss sich sein künftiger Direktor Chris Larsen Ripple an. Ein Jahr später unterzog sich das Unternehmen einem Rebranding und wurde in Ripple Labs umbenannt. Die Idee, das Projekt als ein Analogon von SWIFT zu machen, brachte gerade Larsen ein, und 2011 begann sich das Projekt als ein schnelles Zahlungssystem zu entwickeln. Bemerkenswert ist, dass ein solches Konzept damals äußerst erfolgreich war und wurde von institutionellen Kunden, vor allem Banken, stark nachgefragt. So gewann Ripple an Popularität, und war 2017 auf seine Höhe.

Das Hauptprinzip von Ripple können wir an einem Beispiel einfacher erklären: Angenommen, eine Person aus Kanada möchte eine Geldsumme nach Indien überweisen. Durch Ripple schickt er seine kanadischen Dollars, und der Inder erhält das Geld bereits in Rupien. Mit anderen Worten, XRP fungiert als Tauschtoken oder Tauschmittel. Die Idee war damals wirklich progressiv.

Alle XRP-Token wurden einmalig in Höhe von 100 Millionen Stück ausgegeben. Davon sind 45 Milliarden XRP im freien Umlauf und 55 Milliarden gehören dem Unternehmen und befinden sich auf Treuhandkonten (Escrow-Konto).

Die XRP-Preise erreichten Ende 2017 und Anfang 2018 ihren Höhepunkt und betrugen damals 2,78 USD. Es ist erwähnenswert, dass XRP zu dieser Zeit neben Bitcoin und Ether zu den drei besten Krypto-Assets in Bezug auf die Kapitalisierung gehörte. Viele Investoren sind gerade durch diese drei (BTC, ETH und XRP) mit Kryptowährungen bekannt geworden, und Ripple war damals ein Bestandteil der gesamten Kryptoindustrie.

Rechtsstreitigkeiten

Die SEC hat sich mit Ripple Labs auseinandergesetzt. Die Ansprüche der Regulierungsbehörde basieren darauf, dass das Unternehmen seit 7 Jahren Investitionen mit Wertpapieren getätigt hat, die die Registrierung nicht bestanden haben. Die SEC ist der Ansicht, dass Aufgrund davon, dass die Token für Überweisungen innerhalb des Bankensystems nicht verwendet werden können, sollen sie eher als Wertpapieren als Kryptowährungen betrachtet werden. Das Argument klingt wenigstens seltsam, aber uns bleibt nichts anderes übrig, als auf das Ende dieser Geschichte zu warten.

Das Unternehmen selbst weist natürlich alle Vorwürfe zurück und es ist nachvollziehbar: XRP-Token sind nur ein Mittel zur Durchführung von Zahlungen; Sie fungieren als eine Art Avatar, wenn die Ausgangswährung zuerst in XRP konvertiert wird, und dann aus XRP — in die Endwährung. Token verleihen keine Rechte zur Verwaltung, Abstimmung oder Erlös-Anteilen. Ihr Preis wird allein durch den Markt bestimmt, und nämlich davon, wie sehr die institutionellen Kunden die XRP-Token für Durchführung ihrer Zahlungen benötigen.

Hier machen wir einen kleinen Exkurs und erzählen über die Nachfrage nach XRP und deren Unterstützung. Da Ripple ursprünglich für Finanzinstitute und Überweisungen konzipiert wurde, sind große Banken seine Hauptkunden. Darüber hinaus sind die meisten von ihnen Japaner. Die größte ist die Mitsubishi UFJ Financial Group mit einem Vermögenswert von über 2,5 Billionen US-Dollar. Zu Ripples Partner gehören auch HSBC Holdings PLC, Bank of America und Crédit Agricole, die als Finanzriesen ihrer Länder bezeichnet werden können. Und kürzlich wurde bekannt, dass Ripple 40% der Anteile des asiatischen Unternehmens Tranglo, das sich auf Auslandsüberweisungen spezialisiert, übernommen hat. Dies deutet darauf hin, dass Ripple weder die asiatischen Märkte verlassen, noch seine Aktivitäten einstellen wird. Die Aktivitäten in Amerika wären gut, aber darauf ist der ganze Markt nicht beschränkt, und das Unternehmen beabsichtigt, seine Zukunftspläne zu realisieren.

Die Ansprüche von SEC blieben jedoch von anderen Unternehmen und Börsen nicht unbemerkt, und mehrere davon verzichteten schnell auf Ripple und seinen XRP-Token. 21Shares-Plattform entfernte XRP von der Handelsliste, Grayscale Investments verkaufte seinen XRP-Anteil und entfernte den Token aus dem Digital Large Cap Fund Trust, und eToro, Binanse US, Coinbase, OKCoin, B2C2 und Bitstamp stellten den XRP-Handel ein. Die Situation ist unangenehm, aber nicht beklagenswert.

Anfang April begann Ripple seinen Gegenangriff, und zwar erfolgreich: Das Unternehmen stellte bei Gericht einen Antrag auf Zugang zu SEC-Dokumenten, in denen ihre Haltung zu Bitcoin und Ethereum offengelegt ist. Diesem Antrag hat das Gericht stattgegeben. Vielleicht wird die Analyse der SEC-Politik in Bezug auf Bitcoin und Ethereum Ripple helfen, seine Position zu beweisen.

Als nächster Schritt hat Ripple einen weiteren Antrag eingereicht, demgemäß der Gericht die SEC verpflichten sollte, die Aktivitäten mehrerer Kryptowährungsbörsen zu untersuchen, nämlich Bitfinex, Bitforex, Bithumb, Bitlish, BitMart, AscendEX (ehemals Bitmax), Bitrue Singapore, Bitstamp, Coinbene, HitBTC, Huobi Global, Korbit, OKEx, Upbit Singapur und ZB Network Technology. Dadurch will das Unternehmen zeigen, dass Transaktionen mit XRP an ausländischen Börsen erfolgten, also fielen nicht unter die Gerichtsbarkeit der SEC. Das heißt, wenn Ripple dies beweist, wird die SEC weniger Trümpfe in ihren Händen haben, was bedeutet, dass das Unternehmen mehr Chancen hat, vor Gericht zu gewinnen.

Ripples Zukunftsaussichten

Das Schicksal von XRP wird von mehreren Faktoren abhängen: dem Ausgang des Verfahrens mit der SEC, der Stärkung von Ripple auf den asiatischen Märkten, der Wahrscheinlichkeit von neuen Konkurrenten in Form anderer Zahlungssysteme und der Modernisierung von schon bestehenden. Der letzte Faktor sollte genauer aufgeklärt werden.

Ripple wurde als ein Zahlungsnetzwerk für den internationalen Zahlungsverkehr konzipiert. Und in diesem Sinne könnte es zu einem Ersatz für das SWIFT-Banküberweisungssystem werden. Als das Netzwerk 2011 startete, hatte Ripple in dieser Hinsicht wirklich keine Konkurrenten, aber dann hat sich die Situation verändert. Anfang Dezember des letzten Jahres hat SWIFT den gpi-Sofortüberweisungsdienst eingeführt. Mit dem neuen Swift-Dienst kann man sofort und rund um die Uhr grenzüberschreitende Geldüberweisungen tätigen. Also jetzt ist Ripple kein alleiniges innovative Bezahlsystem, es soll sich diesen Status mit einer anderen Entwicklung teilen.

Mehr als 11 große Finanzinstitute auf der ganzen Welt arbeiten seit langem mit SWIFT zusammen, und es scheint unwahrscheinlich, dass sie auf das Sofortüberweisungssystem verzichten werden. Angesichts davon, dass SWIFT die Loyalität von vielen Banken genießt, wird es für Ripple schwierig sein, mit ihm zu konkurrieren — der Name und die bewährte Zuverlässigkeit werden SWIFT in die Hände spielen.

Schlussfolgerungen

Jetzt ist es 2021 — nicht das berühmte 2017, als überall der mächtige Krypto-Hype herrschte, und von allen Kryptowährungen kannte die Öffentlichkeit höchstens 10 Namen. Heute sind viele Blockchains mit ihren nativen Token aufgetaucht, mit denen Zahlungen schnell und mit minimalen Gebühren durchgeführt werden können. Für gewöhnliche Anleger steht eine große Auswahl an Investitionen zur Verfügung, deshalb wird das zukünftige Wachstum von Ripple eher von seinem tatsächlichen Wert abhängen, sowie vom Ausgang des Verfahrens mit der SEC. Werden die Token immer noch nicht als Wertpapiere anerkannt, kann Ripple „aus der Asche auferstehen“ und sich an die alten Zeiten erinnern. Wenn jedoch die SEC den Streit gewinnt, bleibt Asien für Ripple der Hauptmarkt, und dies wird zu einem großem Verlust für das Unternehmen führen.

Die Kryptosphäre ist jetzt mit einer Vielzahl neuer Projekte, Münzen und Token überschwemmt. Die Auswahl ist groß, und viele Assets wachsen in einigen Jahren um 10- bis 100-fach. Unter diesen Umständen muss Ripple immer noch um die Aufmerksamkeit von Anlegern kämpfen.

Andererseits haben die Ereignisse vom April und Mai 2021 gezeigt, wie jung der Kryptomarkt noch ist. Ein Tweet von Elon Musk, und der Markt schwingt um 10% in die eine oder andere Richtung. Dies bedeutet, dass der breiten Öffentlichkeit sind der Wert und die Möglichkeiten von Kryptowährungen noch nicht völlig bewusst. Vor diesem Hintergrund könnte die Streitigkeit zwischen Ripple und die SEC dem Unternehmen die Möglichkeit geben, sich gegenüber dem gesamten Internet als vielversprechendes Projekt und wertvoller Token zu etablieren (was es tatsächlich ist). Der XRP-Preis wird uns nicht warten lassen.

Im April hat der CEO von Ripple Brad Garlinghouse bekannt gegeben, dass er die Möglichkeit von IPO zulässt, falls der Rechtsstreit gegen die SEC für das Unternehmen erfolgreich endete. Danach stieg der XRP-Preis auf 1,54 US-Dollar. Das heißt, das Unternehmen ist unter dem Druck der SEC nicht nur eine Verteidigungsposition einnahm, sondern arbeitet auch weitere Entwicklungspläne durch!

Noch ein Faktor, der den Preis von XRP beeinflusst, ist die Etablierung des Projekts als Dienst für Sofortüberweisungen in Banken. Bisher hat noch niemand diese Nische besetzt. Ja, es gibt Chainlink, das eine „Brücke“ zwischen traditionellen Banken und der Kryptosphäre ermöglichen kann, aber direkt mit Fiat-Währungen kann es nicht arbeiten. Es scheint, dass Ripple eine Chance hat, seine verlorene Stellung zurückzugewinnen, insbesondere angesichts der Abwesenheit von CBDC (Central Bank Digital Currency).

Digitales Zentralbankgeld (CBDC) bietet den Zentralbanken der Welt die Möglichkeit, ein eigenes, vollständig von ihnen kontrolliertes Register der Transaktionen und Geldmengen zu erstellen. CBDC ermöglicht sofortige Durchführung von Transaktionen ohne die Beteiligung von Banken. Dazu wird es möglich sein, Zahlungen in beliebigen Währungen sofort zu leisten, und dann kann es für Ripple schwierige Zeiten geben. Inzwischen hat das Unternehmen noch etwas Zeit, um neue technologische Lösungen innerhalb seines Ökosystems anzubieten, um seine Positionen auf dem Markt zu stärken.

Angesichts des aktuellen XRP-Preises (rund 0,86 USD) und seines Allzeithochs (nahe 3 USD), kann man bei sonst gleichen Bedingungen auf gute langfristige Gewinne hoffen. In Anbetracht der aktuellen Situation und Unsicherheit würden wir jedoch nicht empfehlen, mehr als 5% des Kapitals in Ripple zu investieren.

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Katharina Haas

Als ich 2017 meine Tätigkeit in der Kryptosphere anfing, wussten 95% der Leute fast nichts davon. Ehrlich gesagt hat sich seitdem nicht viel geändert. Allerdings scheint es Licht am Ende des Tunnels zu geben. Und ich bin gerne dabei.

HAFTUNGSAUSSCHLUSS

Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten, Gedanken und Meinungen gehören ausschließlich den Verfassern und sollen nicht als Investitionsberatung verstanden werden. Führen Sie Ihre eigenen Recherchen durch, bevor Sie eine Investitionsentscheidung treffen.

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