Kryptowährung einfach erklärt

Mo 22 Nov 2021 ▪ 11h54 ▪ 14 Minuten Lesezeit - von Katharina Haas

Unter Kryptowährung versteht man virtuelles (digitales) Geld. Kryptowährungen existieren nicht in physischer Form (in Form von Geldscheinen oder Münzen). Sie können nur als Dateneinheiten in Computerdatenbanken existieren. Meistens werden digitale Tokens (Münzen) in einer Blockchain gespeichert, d.h. in einer dezentralen Datenbank oder Blockkette. Die Blockchain ermöglicht die permanente Speicherung aller Währungstransaktionen und den Schutz des Netzwerkes. 

Kryptowährungen entstanden als Reaktion auf die Notwendigkeit, ein gleichwertiges, unabhängiges elektronisches Geld zu schaffen, das einfach zu überweisen und aufzubewahren ist. Stellt man sich jedoch ein solches unabhängiges virtuelles Geld ohne Kryptographie vor, so wäre seine Überweisung und Aufbewahrung aufgrund der theoretischen Möglichkeit von doppelten Ausgaben (Englisch: Double Spending) ineffizient. Was sind doppelte Ausgaben? Hierbei handelt es sich um die wiederholte (oder mehrfache) Transaktion derselben Geldsumme. Wenn die Währung in einer zentralen Datenbank aufbewahren wird, kann es dazu führen, dass wegen einem Cyberangriff dieselbe Summe mehrfach ausgegeben wird. Gerade deswegen ist die Idee der dezentralen Kryptowährungen und der Blockchain-Technologie entstanden.

Für den Umgang mit Kryptowährungen benutzt man spezielle Software – Wallets – die von verschiedenen Unternehmen angeboten werden. Dadurch kann man die Kryptowährungen kaufen, verkaufen und umtauschen. Es gibt Krypto-Wallets sowohl in Form von Apps als auch von Webdiensten. Der Nutzer kann jederzeit die Summe auf dem Konto und ihren Gegenwert in Fiatgeld (konventionelles Geld) prüfen.

Neben den doppelten Ausgaben lösen Kryptowährungen noch mehrere andere Probleme:

  • Erstens sind alle klassischen Währungen der Zentralbanken ein Wert, der von den normalen Menschen nicht kontrolliert wird. Heute haben Sie z.B. zehn Euro in der Tasche, aber ein Jahr später kann zehn Prozent dieser Summe durch die Inflation „aufgefressen“ werden, und als Folge sind Sie ärmer geworden. Der Wechselkurs der Fiatwährungen wird von mehreren Faktoren beeinflusst, darunter auch die subjektiven Entscheidungen der Politiker und Leiter der Zentralbanken. Bei den Kryptowährungen passiert es nicht. Dank der Dezentralisierung wird hier der Wechselkurs einer Währung nur durch die Nachfrage und den Profit des Krypto-Projekts bestimmt, deswegen ist die Inflation in diesem Fall viel weniger.
  • Zweitens werden Fiatgeld-Konten immer bei den Banken aufbewahrt, und das heißt sie könnten durch einen Beschluss des Gerichts oder der Bank gesperrt werden. Bei Kryptowährungen haben die Banken keinen Zugriff auf Ihr Geld und können Ihre Wallet nicht sperren. Ja, Börsenkonten können von der Börsenverwaltung kontrolliert werden, aber niemand außer Ihnen hat direkten Zugriff auf die Blockchain-Wallet. Die Krypto-Wallets werden von keinen Gesetzen geregelt und die Blockchains selbst funktionieren ausschließlich auf freiem Willen der Krypto-Miner und Krypto-Liebhaber. Das bedeutet, dass Ihr Kryptogeld immer bei Ihnen bleibt und niemand Ihre Wallet sperren kann.

Ursprung der Kryptowährung

Als die erste und erfolgreichste Kryptowährung gilt Bitcoin (BTC), die von einem Menschen (oder einer Gruppe von Menschen) unter dem Nicknamen Satoshi Nakamoto erstellt wurde. Anfang Januar 2009 schloss er die Entwicklung des Blockchain-Programmcodes ab und generierte gleichzeitig den ersten „Genesisblock“ (oder „Block 0“) des Netzwerks. Seitdem gewinnt Bitcoin immer an Popularität und Wert.

Bitcoin gilt als die wichtigste, grundlegende und größte Kryptowährung in Bezug auf die Kapitalisierung. Es gibt aber noch viele andere. In diesem Artikel sind verschiedene Arten von Kryptowährungen beschrieben. Insgesamt gibt es derzeit über 6.000 verschiedene Kryptowährungen, aber viele davon sind unbekannt und werden wahrscheinlich nie bekannt werden. Tatsächlich entstehen immer neue Währungen jeden Tag und es ist unmöglich, den Überblick über sie alle zu behalten.

Eine weitere der bekanntesten Kryptowährungen ist Ethereum (ETC, Ether). In Bezug auf die Kapitalisierung ist es die zweite Kryptowährung und die beliebteste im Rahmen der dezentralisierten Finanzmärkten (kurz DeFi – Decentralized finance) und Smart-Contracts. Das Ethereum-Projekt entstand 2013 als Ergebnis der Arbeit von Softwareentwickler Vitalik Buterin und seinen Partnern, und die Blockchain-Plattform selbst wurde 30. Juli 2015 lanciert. Seitdem ist ETC zum grundlegenden Standard für Smart-Contracts und dezentralisierte Apps (kurz DApps) geworden, und sein Wert steigt immer weiter.

Unter anderen Top-Kryptowährungen kann man folgende nennen: Binance Coin, Ripple, Dogecoin, Tether, Cardano, Polkadot und Litecoin.

Vor kurzem sind auch neue Klassen von Kryptowährungen entstanden – NFT und soziale Tokens.

Dezentralisierung als Hauptvorteil der Kryptowährungen

Als Hauptvorteil der Kryptowährungen gilt ihre Dezentralisierung. Was ist das? Es handelt sich um eine dezentrale Speicherung und Bearbeitung der Transaktionen, was aber fehlt bei den klassischen Währungen.

Das Prinzip der Dezentralisierung wird durch die Verwendung einer Blockchain erreicht, die auf den Computern aller Miner gespeichert ist. Miner sind aktive Nutzer des Netzwerks einer bestimmten Kryptowährung, die ihre Computer gegen Belohnung zur Ausführung von mathematischen Berechnungen an das Netzwerk anschließen. Als Ergebnis dieser Berechnungen werden Transaktionen im Netzwerk bestätigt, neue Blöcke des Netzwerks generiert und Informationen darüber in diesen neuen Blöcken gespeichert.  

Wie funktioniert eine Bitcoin-Transaktion? Die Transaktion wird in einen Block eingetragen, dann entschlüsselt ein Miner sie, und danach überprüfen andere Miner den Block und setzen ihn am Ende der Kette. Der neue Blockchain-Status wird dann auf allen Computern der Miner kopiert und wird nicht auf einem einzigen Platz gespeichert. Es gibt also keine einzige Kontrolleinrichtung, die die Kryptowährungen beeinflussen kann (Regierung, Bank oder eine Firma). Außerdem ist das Netzwerk durch die Blockchain gut geschützt, und es ist äußerst schwierig, die Blockchain zu hacken und Transaktionen rückgängig zu machen. Tatsächlich stehen wir vor einer neuen Entwicklungsrunde der Finanzanlagen, die mehreren Menschen gehören können, aber keine einzelne Person oder Gruppe von Menschen wird die Hauptrolle bei Kryptowährungen spielen.

Diese Situation resultiert die Unzufriedenheit der Zentralbanken und nivelliert ihr Monopolanspruch auf Geld. Viele Zentralbanken weltweit haben den Umlauf der Kryptowährungen in den Hoheitsgebieten der Länder, wo sie tätig sind, verboten. Die Behörden haben auch einen starken Wunsch, Krypto-Wallets zu kontrollieren und über die Krypto-Anlagen der Bürger informiert zu sein. Zu diesem Zweck verlangen sie von den Bürgern, Bescheid zu geben, wenn sie Kryptowährungen haben und wenn sie Transaktionen damit abwickeln. 

Deutschland gilt zurzeit als eines der liberalsten Länder in Bezug auf die Transaktionen mit Kryptowährungen. Laut Bundesfinanzministerium werden Kryptowährungen dem konventionellen Geld gleichgestellt. Das heißt normale Zahlungen mit Kryptowährungen werden nicht besteuert. Es gibt aber Sonderfällen, bei denen Kryptowährungen  doch besteuert werden, wie z.B.  Börsenhandel: der Trader zahlt die Einkommenssteuer. Das bedeutet, dass es noch voraus zu prüfen ist, ob die Art des Geschäfts den Steuern unterliegt oder nicht. Es wird auch heftig diskutiert, ob Kryptowährungen in Deutschland meldepflichtig sein sollen, dazu gibt es aber noch keine einheitliche Meinung oder offizielle Richtlinien. Wie die Situation sich ändert, sieht man noch. Aber es gibt ganz sicher eine klare Tendenz, dass die Regierung immer mehr über solche Anlagen der Bürger wissen möchte.

Anonymität von Kryptowährungen

Ein weiterer Vorteil von Krypto-Anlagen ist ihre Anonymität. Hier soll man aber beachten, dass der Grad der Anonymität von einer Kryptowährung zur anderen variiert. Bitcoin z.B. kann nicht vollständig anonym genannt werden, weil alle Transaktionen in der Blockchain gespeichert sind, und jeder kann mithilfe eines Blockchain-Explorers die Überweisung der Währung von einer Adresse an die andere verfolgen. Und wenn es so einfach ist, den Inhaber der Adresse zu identifizieren, ist es genauso einfach die Geldbewegung in seinen Wallets herauszufinden. Außerdem bedienen viele Börsen ihre Kunden nur unter der Bedingung eines KYC-Verfahrens (Know Your Client – Identifizierung des Kunden), was der Anonymität nicht in die Hände spielt.  Andererseits gibt es Lösungen wie Bitcoin-Mixer, die Transaktionen von verschiedenen Nutzern „mischen“ und die Verfolgungskette unterbrechen. Die Bitcoin-Mixer sind aber vernünftig zu nutzen. Man soll darin tief eintauchen, um zu verstehen, wie diese Lösungen funktionieren. Deswegen kann man Bitcoin völlig anonym nicht nennen.

Es gibt aber auch völlig anonyme Währungen, wie z.B. Monero (XMR). Im Gegensatz zu Bitcoin, bei dem man via Block-Explorer den Kontostand jeder Adresse und die Transaktionshistorie ansehen kann, ist hier die Situation anders. Im Monero-Netzwerk kann man nur das Vorhandensein einer Adresse prüfen, aber der Kontostand und die Transaktionshistorie bleiben unbekannt. Das heißt diese Kryptowährung ist völlig anonym, und gerade diese Währung wird oft von Menschen ausgewählt, die etwas geheim halten möchten – sie tauschen Bitcoins über einen Online-Tauscher in Monero und transferieren dann Geld von einer Monero-Adresse zu einer anderen, und es wird unmöglich die Kette zu verfolgen.

Um das Thema der Anonymität zusammenzufassen, ist es zu betonen, dass die Anonymität bei den Kryptowährungen möglich ist. Und wenn man minimale Kenntnisse über Kryptowährungen und auch einen Wunsch die Finanzen geheim zu halten hat, ist es sehr einfach dieses Ziel zu erreichen.

Kryptowährungen in der Praxis

Hohe Volatilität und riesige Profite bei Krypto-Investitionen sind schön, aber was sind die praktischen Vorteile von Kryptowährungen? Schließlich wäre es traurig zu erkennen, dass der ganze Krypto-Hype und die bunten Schlagzeilen nur ein temporäres und unterhaltsames Spiel sind, das bald zu einem Ende kommt.

Und ja, das stimmt, dass der Anwendungsbereich der Kryptowährungen viel breiter ist, als einfaches „ich kaufe und ich profitiere“. Hier sind einige Anwendungsbereiche dieser neuen Art der Geldanlagen aufgelistet.

Die erste und einfachste Möglichkeit ist die direkte Weitergabe des Geldes an eine andere Person. Um nun jemanden in Fiatgeld zu bezahlen (oder die Summe in Fiatgeld zu erhalten), müssen beide Parteien ein Bankkonto haben. Aber es gibt viele Menschen auf der Welt, die kein Bankkonto haben oder sich kein Konto einrichten wollen. Kryptowährungen ermöglichen den Geldaustausch unter Umgehung aller Kontrolle-Behörden und großen Banken.

Als Vorteil gilt auch sichere Aufbewahrung von Geldanlagen, was das konventionelle Geld nicht anbieten kann. Wenn man die Krypto-Anlagen aufbewahren und ersparen möchte, kann man sich sehr einfach eine Wallet einrichten und so viel Krypto-Geld darauf einzahlen, wie man möchte. Gleichzeitig kann man es, falls erwünscht, anonym machen.

Die Frage über Smart-Contracts können wir auch nicht zur Seite legen. Ohne sie geht es nicht! Smart-Contract (intelligenter Vertrag) ist ein Programm (Computerprotokoll), das nur unter einer bestimmten Bedingung ausgeführt wird. Smart-Contracts ist eine interessante Lösung, weil sie beliebige Geschäfte – wie Kauf, Verkauf, Börsengeschäft usw. – ohne Vermittler ermöglichen, wobei das Ergebnis des Geschäfts in der Blockchain aufgezeichnet wird und niemand es stornieren kann. Anders formuliert, dienen Smart-Contracts gleichzeitig als ein Garant des Geschäfts und auch als ein Datenregister für ausgeführte Geschäfte. Das Ethereum-Netz war das erste in diesem Bereich und viele DApps, Smart-Contracts und DAO basieren jetzt darauf. Es gibt andere Netzwerke für Smart-Contracts, wie z.B. NEM, Stellar, Hyperledger Fabric, Binance Smart Chain und andere.

In letzter Zeit sind auch verschiedene Kreditplattformen, Yield-Farming-Plattformen und sonstige DeFi-Lösungen aufgetaucht, über die wir in weiteren Artikeln sicher schreiben werden. Und alle diese Mechanismen wurden ebenfalls von Kryptowährungen und Blockchain ermöglicht.

Die oben erwähnten „sozialen Tokens“ können wir auch nicht zur Seite legen. Das ist ein neuer Trend. Das ist eine neue und sehr interessante Art der Nutzung von Kryptowährungen, die man zurzeit erst am Horizont der Kryptobranche sehen kann. Aber es ist schon klar, dass dieses Phänomen in Zukunft vielen Menschen helfen wird, eine Finanzierung für ihre Projekte und Ideen zu finden. Und für die Investoren wird es auch viel Einkommen bei der Finanzierung der Talente bedeuten.

Nachteile von Kryptowährungen

Neben allen zahlreichen attraktiven Vorteilen haben Kryptowährungen auch ihre eigenen Nachteile im Vergleich mit Fiatgeld:

  • Der erste und offensichtlichste Nachteil ist die hohe Volatilität. Es ist wahrscheinlich schwer, sich einen anderen Vermögenswert vorzustellen, der an demselben Tag um 25 Prozent fallen und wieder um 40 Prozent steigen kann. Im Falle der Kryptowährungen ist es ganz normal.
  • Es gibt keine Möglichkeit die Zahlung zu stornieren. Bei Fiatgeld ist es möglich, wenn die Zahlung versehentlich abgesendet wurde, aber bei Kryptowährungen funktioniert es nicht.  Es gibt keine Verwaltungseinrichtung, niemand kontrolliert diesen Bereich, jeder ist für sich selbst verantwortlich, und jeder ist für die Sicherheit seines Geldes verantwortlich;
  • Gefahr des Verlustes. Um Kryptowährungen aufzubewahren, muss man selbst alle Maßnahmen unternehmen, um die Passwörter und Adressen im Kopf zu behalten. Es gibt keine Bank, zu der man gehen kann, den Pass vorlegen und die Karte wieder zu erhalten. Man ist völlig selbst verantwortlich.

Wir werden sich nicht so tun, als ob Kryptowährung eine unvorteilhafte Anlage ist. Doch! Man kann sehr viel und schnell von Kryptowährungen profitieren und gerade deswegen werden viele Menschen in diesem Bereich herangezogen. Vor kurzem, von 2020 bis Anfang 2021, haben alle Kryptowährungen ein enormes Wachstum erfahren, wobei einige Projekte hunderte Prozent gewachsen sind. Ganz klar, dass es kein Maximum ist, und wir werden noch ein Wachstum mehrerer Kryptowährungen „bis zum Mond“ und… genauso drastische Rückgänge davon erleben.

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Katharina Haas

Als ich 2017 meine Tätigkeit in der Kryptosphere anfing, wussten 95% der Leute fast nichts davon. Ehrlich gesagt hat sich seitdem nicht viel geändert. Allerdings scheint es Licht am Ende des Tunnels zu geben. Und ich bin gerne dabei.

HAFTUNGSAUSSCHLUSS

Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten, Gedanken und Meinungen gehören ausschließlich den Verfassern und sollen nicht als Investitionsberatung verstanden werden. Führen Sie Ihre eigenen Recherchen durch, bevor Sie eine Investitionsentscheidung treffen.

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